Gründung des Vereines
Am Beginn des 19. Jahrhunderts nahm die Sängerbewegung
einen großen Aufschwung. In vielen Städten und Märkten
des deutschsprachigen Raumes kamen Männer aus gleichen sozialen
Schichten des Bürgertums regelmäßig zusammen,
um gemeinsam zu singen. Aus diesen Zusammenschlüssen entstanden
viele Vereine, die sich Liedertafel nannten.
Irdninger Bürger entwarfen bereits im Jahre 1863 Satzungen
für einen Sängerverein. Die offizielle Gründung
des Männergesangsvereines (MGV) „Liedertafel Irdning“
erfolgte im Herbst 1875 durch
- Lehrer Franz Ludwig RUBISCH
- Lebtzelter Josef HOFER
- Kaufmann Hans KASERER
- die Schneider August und Hans PRÜNSTER
- Ludwig APFELBECK, Ferdinand HUMMEL und
- Kaplan Konrad KOGLER
Ziel des neuen Vereines war es, den mehrstimmigen
Gesang In Form des Männerchores sowie das gesellige Leben zu
pflegen und zu fördern. Im Mittelpunkt der sängerischen
Bemühungen stand das deutsche Volkslied.

Aus der Urzeit des MGV
Die ersten Proben fanden Im Mesnerhaus, der Wohnung
des Chormeisters Rubisch statt und wurden erst später in den
örtlichen Gasthäusern abgehalten. Für die Aufnahme
In den Verein wurden strenge Regeln geschaffen. Wer aufgenommen
werden wollte, mußte unbescholten sein und sich auch einer
Prüfung durch den Chorleiter unterziehen. Durch diese strenge
Auslese und durch eifrige Probenarbeit war es möglich, schon
ein Jahr nach der Gründung mit großem Erfolg die erste
öffentliche ^Frühlingsliedertafel“ zu veranstalten.
Viele weitere gut besuchte und musikalisch hochstehende Auftritte
des Chores folgten, wobei der Reinerlös häufig sozialen
Zwecken zugeführt wurde (z.B. der Irdninger „Suppenanstalt",
Opfern der Brandkatastrophe In Rottenmann,u.a.) Erwähnenswert
ist das große Abendkonzert Im Schloß Trautenfels Im
Jahre 1880, das anläßlich der Vermählung des Grafen
Lamberg gegeben wurde.
1883 nahm der Verein am Empfang des Kaisers Franz Josef in Stainach
teil. Der Monarch sprach sich sehr lobend über die Darbietungen
der Irdninger Sänger aus.
Der MGV als „Männergesellschaft“
Den Satzungen gemäß bemühte sich
der Verein seit seinem Bestehen, auch das gesellige Leben zu pflegen
und zu fördern. Besondere Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten,
Jubiläen von Sangesbrüdern etc. werden entsprechend gefeiert
und auch der Umtrunk in ffoher Runde nach der wöchentlichen
Chorprobe war und ist für viele Sänger nicht wegzudenken.
Spötter haben deshalb den Verein auch schon in „Litertafel“
umbenannt.
Zahlreiche Sängerfahrten zu besonderen Chorveranstaltungen
oder zu Freunden im In- und Ausland sowie Ausflüge und gemeinsame
Wanderungen haben nicht nur die Mitglieder der Liedertafel einander
nähergebracht, sondern ihnen auch viele neue Eindrücke
und Einsichten vermitteln. Einige dieser Reisen seien hier angeführt:
1908 Zell am See
1936 Breslau (Schlesien, heute Polen)
1962 Bundessängerfest in Graz
1963 Bundessängerfest in Salzburg
1964 Int. Gartenbauausstellung in Wien
1968 Bundessängerfest in Judenburg
1974 Seefestspiele in Mörbisch und Flughafen Schwechat
1982 Bundessängerfest in Innsbruck
1989 Besuch bei den Ahorner Sängern
1994 Besuch bei den Zornheimer Sängern

Eine ehrenvolle Verpflichtung ist die Teilnahme
am alljährlich in einem anderen Ort stattfindenden Bezirkssingen
des Steirischen Sängerbundes. Diesem Bund gehört die Liedertafel
bereits seit dem Jahre 1881 an.
Zu den Ausflügen und Fahrten in alle Bundesländer und
ins benachbarte Ausland, zu besonderen Sehenswürdigkeiten,
zu Landesausstellungen, auf Almen etc. sind immer auch die Familienangehörigen
der Sänger eingeladen.
Viele fröhliche Stunden haben die Sängerfamilien schon
beim „Liedertafelgschnas“ mit Faschingsbriefen, Parodien
und anderen lustigen Auftritten erlebt. Mit Gemütlichkeit,
Frohsinn, Musik und Gesang klingt alljährlich das traditionelle
Bratleisschießen gegen die Sängerrunde Aigen aus.
Über Jahrzehnte hindurch (bis 1931) besaßen die Vereinsmitglieder
eine Fischereiberechtigung in der Enns, die von Sangesbruder Keller
aus Aigen gestiftet worden war.
Weit über Irdning hinaus fanden die Maskenbälle der Liedertafel
Anklang und oft waren die Räumlichkeiten dem Ansturm der Ballhungrigen
kaum gewachsen. So schwärmen zum Beispiel ältere Semester
heute noch vom „Wintermärchenball".
Das Streichorchester Irdning
Bereits um 1870 existiert eine „Irdninger
Musikgesellschaft" zur Pflege der Streichmusik. 1872 wurde
unter Lehrer Asböck als Stabführer das Streichorchester
Irdning gebildet. Um sich eine eigene Vereinsgründung zu ersparen,
schloß sich das Orchester im Jahre 1876 dem MGV an. 1879 übernahm
Chorleiter Rubisch auch die Leitung beim Streichorchester. Im Verlaufe
der Vereinsgeschichte kam es immer wieder zu einer derartigen Personalunion,
zuletzt unter Prof. Emilian Szutka bis 1973. Seither ruht die Orchestertätigkeit.
Über ein Jahrhundert hindurch galt das Irdninger Streichorchester
als eines der besten im ländlichen Raum. Allein die Durchsicht
des reichhaltigen Notenarchives lässt schon erahnen, welch
hohen Leistungsstand dieser Klangkörper erreicht haben mußte.

Liedertafel - Musik
Unter den Irdninger Sängern gab es immer
auch begabte Musiker, die sich der Unterhaltungsund auch Volksmusik
widmeten. Als „Liedertafel-Musi“ sorgen sie auch heute
noch bei vereinsinternen Festen, aber auch bei öffentlichen
Veranstaltungen für Frohsinn und gute Stimmung. Besonders zu
erwähnen ist hier der leider schon verstorbene Sangesbruder
Peter Fuchs, senior.
Zum Blasmusikverein Irdning gab es immer gute Kontakte. Eine besondere
Leistung vollbrachte die Liedertafel im Jahre 1948, als sie den
Musikpavillon auf dem Irdninger Hauptplatz errichtete. Die Mittel
hiefür brachten die Sänger durch die Abhaltung mehrerer
Maskenbälle auf.

Liedertafel und Theater
Zu Beginn unseres Jahrhunderts hatten einige Sänger
die Idee, der Irdninger Bevölkerung auch mit Theaterspiel Freude
und Unterhaltung zu vermitteln. Seit 1911 scheint im Archiv ein
Verzeichnis vorhandener Theaterstücke auf. 1923 wurde sogar
ein eigener Theaterausschuß gegründet. Die letzte Aufführung
fand im Jahre 1933 statt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden noch einige
Einakter bzw. Sketches gespielt.
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